Utilitarismus Beispiel Essay

 

Materialien zum Ethikunterricht

Utilitarismus

Eine Zusammenfassung von Sheileena Adams, 07/2001

 

= sogenannte Nützlichkeitsethik
- beinhaltet keine einheitliche Moraltheorie
- Einordnung: normative Ethik - teleologische Ethik (Zielethik)
- Versucht Antworten auf die Frage zu geben : ,,Was sollen wir tun?" ,,Wie sollen wir leben."

Vorteile und Nachteile des Utilitarismus

Vorteile

Nachteile

kein religiöser AspektLust und Unlust sind praktisch nicht berechenbar
das oberste, erstrebenswerte Gut ist Glück;
 -> reelles menschliches Ziel
Die Folgen einer Handlung sind nicht immer absehbar
Klarheit der Wissenschaft und eigene Erfahrungen fließen in die Entscheidungen mit einGründe, Absichten und Motive einer Tat bleiben unberücksichtigt
Messung des Glücks gibt Auskunft über die Richtigkeit einer Handlung
 die Handlung mit den besten Folgen kann gewählt werden
Ein gutes Ergebnis rechtfertigt einen schlechten Weg
 -> Sterbehilfe und Kriege

 

Das individuelle Glück wird dem der Gemeinschaft unterstellt (Kollektivegoismus)
 -> keine Gerechtigkeit bei der Verteilung

Die Prinzipien des Utilitarismus

Diejenige Handlung bzw. Handlungsregel ist moralisch richtig,
deren Folgen für das Wohlergehenaller Betroffenen optimal sind.
_ _ _ _
Konsequenzen- hedonistisches Universal- Utilitätsprinzip Prinzip

1.Konsequenzenprinzip

_

teleologische Ethik

- Die moralische Richtigkeit einer Handlung wird von den Folgen bestimmt (=impliziert; empirische Ausrichtung))
- Die Ermittlung der Handlungsfolgen kann nur von empirischen Wissenschaften erwartet werden;  Ideal der Wissenschaftlichkeit

 

 

 

2.Utilitätsprinzip

_

implizierte Werttheorie

- Nutzen für das, was an sich gut ist, ist der Maßstab für die Beurteilung der Folgen
- Gut und Wert müssen im außermoralischen Sinn verstanden werden

 

 

 

3.Hedonistisches Prinzip- das Kriterium der Beurteilung der Folgen einer Handlung ist das menschliche Glück, das in der maximalen Bedürfnis- und Interessenbefriedigung bzw. der maximalen Frustration besteht
- entscheidend ist das Maß an Lust, das die Handlung hervorruft, vermindert um das mit ihr verbundene Maß an Unlust (implizierter Hedonismus)

 

 

 

4.Universalprinzip
(Sozialprinzip)
- Ausschlaggebend für den Gratifikationswert ist das Wohlergehen aller von der Handlung Betroffenen (implizierte Sozialpragmatik)
- Die Ausrichtung auf das Glück aller und die Verpflichtungen auf das allgemeine Wohlergehen entspricht der moralischen Mindestanforderung und erfordert minimales soziales Engagement

 

Frage

Kriterium bzw. Maßstab

Prinzip

Welche Folgen hat meine Handlung?Folgen der HandlungKonsequenzenprinzip
Welchen Nutzen hat meine Handlung?Nutzen der HandlungUtilitätsprinzip
Was ist Glück?Menschliches GlückHedonistisches Prinzip
Wie glücklich können alle durch meine Handlung werden?Summe des GlücksSozialprinzip

Jeremy Bentham

,,Die Moral ist nichts als die Regulierung des Egoismus" [Jeremy Bentham]

- Rechts- und Moralphilosoph
- Þ1748,  ? 1832
- studierte schon mit 12 Jahren in Oxford Jura
- kritisierte das englische Rechtswesen scharf
- 1792 Ehrenbürger der französischen Republik
- trat politisch für mehr Demokratie, Sozialreformen und gegen die Privilegien der
  Oberschicht ein
- setzte Hoffnungen in eine verbesserte Erziehung, die unabhängig von finanziellen
   Möglichkeiten ist
- 1825 Mitbegründer der Londoner Universität, an der auch Atheisten studieren durften

Das Prinzip der Nützlichkeit beinhaltet das Prinzip, das jede Handlung in dem Maß billigt oder mißbilligt, wie ihr die Tendenz inne zu wohnen scheint, das Glück der Gruppe, deren Interesse in Frage steht zu vermindern oder zu vermehren. (Glück fördern bzw. verhindern)
* das bedeutet: eine Handlung wird gebilligt wenn Glück erstrebt wird
* eine Handlung, die diesem Prinzip entspricht ist keineswegs falsch

Die Kriterien der Glücksberechnung einer Handlung in Punkten
Das hedonistische Kalkül
Das präzise Glückskalkül entspricht der Wertbestimmung der Freude.

IntensitätDauerGewissheit oder UngewissheitAusmaß (Anzahl der Betroffenen)
FolgenträchtigkeitReinheit

 

Nähe oder Ferne

Ziel: das größtmögliche Glück für die größtmögliche Menge zu erreichen

Jeder Mensch kennt das Gefühl von Lust und Leid. Jeder Mensch hat aber auch ein anderes Glücksempfinden.
* Grundorientierung für die einzelnen Individuen kann nur die eigene Lustbefriedigung sein
* der Zweck einer Handlung muss sich an dieser Lustbefriedigung messen

Jeremy Benthams Ethik

- Prinzip der Nützlichkeit, hedonistisches Kalkül

Ausgangspunkt:
- Motiv: der Mensch sucht Lust und vermeidet Schmerz

_ _
Freude und Leid sind die Gebieter der Menschheit

- Mensch muss auch Leid und Freude anderer berücksichtigen (Egoismusregulierung,
  Vernunft) durch Vernunft und Sanktionen beeinflusst

Kritik an Bentham
- die Kriterien für die Glücksbereicherung sind nicht einhaltbar
- Ist Glück messbar?
- Der Utilitarismus nach Bentham kann zur Benachteiligung Einzelner führen

John Stuart Mill

,,Es ist besser ein unzufriedener Mensch zu sein, als ein zufriedenes Schwein."

- Englischer Ökonom und Psychologe
- Þ 20. Mai 1806, ? 08. Mai 1873
- verallgemeinerte die bürgerliche Ökonomie
- trat für die Frauenemanzipation ein

John Stuart Mills Ethik

Nicht nur die Quantität des Glückes ist wichtig sondern auch die Qualität.
Die Vernunft unterscheidet den Menschen von anderen Lebewesen.
Wenn der Mensch in seinen Fähigkeiten bestätigt wird fühlt er Glück. Menschen mit geringen Fähigkeiten erleben dabei mehr Glück als Menschen mit hohen Fähigkeiten.
Das geistige Glück beruht auf dem Verstand (Der Mensch besitzt das Wissen um...)

Es erfolgt eine qualitative Differenzierung durch die Stufung des Glücks:

Höhere geistige Lust und niedere sinnliche Lust

Das Prinzip der Nützlichkeit ist zugleich auch das Prinzip des Glücks.

Glück entspricht Lust,  Unglück entspricht Unlust

Die goldene Regel
Der Utilitarismus muss zwischen eigenem und dem Glück anderer entscheiden.
Das Glück des Einzelnen muss aber weitgehend mit dem Interesse der Gemeinschaft einher gehen.
Behandle dabei andere so, wie du selbst behandelt werden willst.
Das Opfern eigener Interessen darf nicht zur Pflicht werden.

Die Erziehung und die öffentliche Meinung sollen ihren Einfluss zur Verknüpfung des Glücks des Einzelnen und dem der Gemeinschaft nutzen.

Das Wohl der Allgemeinheit sollte das Wohl aller Individuen beinhalten. Die Vermehrung des Glückes ist dabei der Zweck der Tugend.

Vergleich

 

 

John Stuart Mills Utilitarismus

Jeremy Benthams Utilitarismus

,,Es ist besser ein unzufriedener Mensch zu sein, als ein zufriedenes Schwein.",,Jeder zählt für einen und keiner mehr als für einen."
- Qualität des Glückes ist ausschlaggebend für dessen Wert- Quantität des Glückes ist ausschlaggebend für dessen Wert
- Die Norm für das größte Glück ist die Allgemeinheit- Alle menschlichen Handlungen haben ihr Motiv im Wunsch nach Lust und in der Vermeidung von Leid
- Dabei sind Lust und Leid Anderer zu berücksichtigen

Berücksichtigung anderer bei der Nützlichkeit (Nützlichkeitsprinzip)

Der Mensch strebt nach Glück.
Der Mensch ist ein vernünftiges Wesen
Der einzelne Mensch wird individueller betrachtet

 

Gegenüberstellung der Qualität verschiedener Erfahrungen

 

Geistige Genüsse besitzen einen höheren Stellenwert als sinnliche

 

 


 

 

Autor: Maja Brandl

Der Utilitarismus mit seinen Hauptvertretern

Jeremy Bentham und John Stuart Mill

Gemeinsamkeiten und Abweichungen ihrer Lehren

 

Aufbau der Arbeit:

1. Einleitung

2. Was ist Utilitarismus?

3. Wer war Jeremy Bentham?

4. Die Lehre Benthams

5. Wer war John Stuart Mill?

6. Die Lehre Mills

7. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Lehren

8. Der Utilitarismus heute

9. Schlussbemerkung

10. Benutzte Quellen und Literatur

 

1. Einleitung:

Die Natur hat die Menschheit unter die Herrschaft zweier souveräner Gebieter - Leid (pain) und Freude (pleasure) - gestellt.....die Menschen suchen die Lust und vermeiden den Schmerz...

(J. Bentham 1748-1832)

 

2. Was ist Utilitarismus?

Duden - Fremdwörterlexikon:

Utilitarismus: philosophische Lehre, die im Nützlichen die Grundlage des sittlichen Verhaltens sieht und ideale Werte nur anerkennt, sofern sie dem einzelnen oder der Gemeinschaft nützen

Utilität: Nützlichkeit

Definition des Utilitarismus

Utilitarismus (engl. utilitarianism, von lat. utilitas, Nutzen) nennt man die ethische Position, die eine Handlung danach bewertet, ob sie im Vergleich mit anderen Handlungsalternativen die größte Anzahl positiver, nicht-moralischer Werte, z. B. Glück, Reichtum, Gesundheit, Schönheit, Einsicht usw., hervorbringt. Der Utilitarismus wird der konsequentialistischen Ethik und dem Eudämonismus zugerechnet und ist eine altruistische Ethik.

Die Norm des Utilitarismus ist nicht das Glück des Handelnden selbst, sondern das größte Glück insgesamt. Man soll zwischen seinem Glück und dem Glück der anderen wie ein unparteilicher Zuschauer entscheiden. [ ... ] Früher wurde der Utilitarismus auch Utilismus genannt.

 

Arten des Utilitarismus

Hedonistischer und ideeller Utilitarismus

(hedonistisch: gr hedone: Lusst, dem Hedonismus verpflichtet, also der philosophischen Lehre, die Genuss als höchstes Ziel annimmt.)

Im Hinblick auf die jeweils vorausgesetzte Werttheorie - zwischen hedonistischem und ideellem Utilitarismus (auch: idealistischer Utilitarismus) unterschieden.

In seiner klassischen Formulierung findet sich der hedonistische Utilitarismus bei Bentham; er anerkennt nur eine Form von positivem (nicht-ethischem) Wert, das Erleben von Lust (pleasure). Dabei identifiziert er Erleben von Lust mit Glück und dieses mit Nutzen. Sein Hedonismus ist wegen der Gleichsetzung von Lust und Glück gleichzeitig ein Eudämonismus.

Bentham formuliert das Nutzenprinzip so: Jene Handlung muss als ethisch wertvollste beurteilt werden, die das größtmögliche Glück für die größtmögliche Anzahl Menschen erzielt.

 

Handlungs- und Regelutilitarismus

Man unterscheidet zwischen Handlungsutilitarismus (auch: Aktutilitarismus) und Regelutilitarismus.

 

Im Handlungsutilitarismus wird die einzelne Handlung direkt nach den aus ihr folgenden (zu erwartenden) Konsequenzen und ohne Rücksicht darauf beurteilt, welche Art Handlung jeweils vorliegt; so kann z. B. ein Vertrauensbruch je nach den möglichen Konsequenzen als besser beurteilt werden als Treue. D.h. Man muß sich fragen: ,,Welche Folgen wird meine Ausführung dieser Handlung in dieser Situation haben?" und nicht: ,,Welche Folgen wird die allgemeine Ausführung derartiger Handlungen in derartigen Situationen haben?"

Es muß auch unterschieden werden zwischen der damaligen Faustregel ,,Die Wahrheit zu sagen gilt im Allgemeinen dem allgemeinen Wohl" und der Tatsache, ob die Wahrheit tatsächlich in dieser Situation zum allgemeinen Wohl beiträgt.

 

Beim Regelutilitarismus (Urmson, Brandt) ist die Beurteilung der einzelnen Handlung von ihrer Übereinstimmung mit Handlungsregeln abhängig, z. B. mit der Regel: "Es ist falsch, sein Versprechen zu brechen". Eine Handlung ist richtig, wenn sie einer Handlungsregel entspringt, deren Befolgung im Vergleich zu anderen Handlungsregeln die nützlichsten Folgen hat. Hier lautet die Frage nicht mehr, welche Handlung am nützlichsten ist, sondern welche Regel. Also muß man sich nicht mehr fragen, was die Auswirkungen seines Handeln sind in dieser Situation, sondern wie wären die Auswirkungen, wenn jeder Mensch in der gleichen Situation auch so handeln würde.

 

Präferenzutilitarismus

Eine der modernen Varianten des Utilitarismus ist der Präferenzutilitarismus.

Nach dem Präferenzutilitarismus ist eine Handlung, die der Präferenz (Vorrang, Begünstigung) irgendeines Wesens entgegensteht, ohne dass diese Präferenz durch entgegengesetzte Präferenzen ausgeglichen wird, moralisch falsch.

Eine Person zu töten, die es vorzieht, weiterzuleben, ist daher, gleiche Umstände vorausgesetzt, unrecht. Das die Opfer nach der Ermordung nicht mehr da sind, um sich darüber zu beklagen, dass ihre Präferenzen nicht beachtet worden sind, ist unerheblich.

Für Präferenzutilitaristen ist die Tötung einer Person in der Regel schlimmer als die Tötung eines anderen Wesens, weil Personen ihre zukunftsorientierten Präferenzen haben.


3. Wer war Jeremy Bentham?

 

Jeremy Bentham (1748 - 1832)

Der englische Philosoph und Jurist ging mit 13 Jahren an die Universität Oxford und erwarb 1764 den Bachelor of Arts. Er wurde 1772 Advokat, gab diesen Beruf aber bald auf.

Bentham, Sohn eines vermögenden Rechtsanwalts, unternahm Studienreisen, ohne einer festen Erwerbstätigkeit nachzugehen.

Bentham vertrat in einem England der industriellen Revolution die Auffassung der ,,Radicals". Sie forderten juristische, soziale und wirtschaftliche Reformen.

,,Jeder zählt als einer und keiner als mehr für einen" (Bentham)

 

4. Die Lehre Benthams

In seinem wirtschaftswissenschaftlichen Essay ,,In defense of Usury (1787)" geht er von der These aus, dass jeder am besten beurteilen kann, was für ihn am nützlichsten ist.

In ,,Principles of Morals and Legislation (jeweils in geringer Auflage 1780 und 1789 veröffentlicht)" begreift er Leid und Freude als Konstanten der menschlichen Natur, die bei der Bestimmung des Glücks eine entscheidende Rolle spielen.

Er formuliert in dieser Arbeit das Prinzip der Nützlichkeit, erörtert das Problem der Beweisbarkeit dieses Prinzips und diskutiert die Prinzipien, die mit dem Utilitarismus konkurrieren.

Bentham verweist auf vier Quellen von Freude und Schmerz und skizziert einen hedonistischen Kalkül (Berechnung) bzw. Nutzenkalkül, der es erlauben soll, alle erdenklichen Empfindungen von Freude und Leide, selbst die heterogener Natur, gegeneinander aufzurechnen und eine Gesamtbilanz des menschlichen Glücks aufzustellen.

Wie Smith sah Bentham keinen Gegensatz zwischen persönlichem und allgemeinem Wohlergehen. Das fundamentale Prinzip ist laut Bentham das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl von Menschen.

Dieses Prinzip verband er mit dem demokratischen Prinzip: Jeder hat für einen, niemand für mehr als einen zu gelten.

Nicht der Rückgriff auf irgendwelche Autoritäten, sondern das menschliche Streben nach Glück bildet die Grundlage menschlicher Sittlichkeit.

Bentham sah in seinem Ansatz eine rationale, praktische Orientierungshilfe in Gestalt des hedonistischen Kalküls. Danach lässt sich die mit dem Handlungserfolg verbundene Lust bemessen nach Stärke und Dauer, im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens und auf die möglichen Nebenfolgen und nicht zuletzt im Hinblick auf die Anzahl der an ihr beteiligten Personen.

Im Sinne des wohlverstandenen Interesses erweist sich der reine Egoismus als falsch berechnet, weil er über den individuellen Augenblick der Lust die lange Dauer des Gesamtnutzens übersieht.

Bentham ist mit seiner Theorie der Nutzenpsychologie für verschiedene Grenznutzentheoretiker (z. B. Menger, Jevons, Gossen) Anknüpfungspunkt geworden.

In der Philosophie wirkte Benthams Utilitarismus insbesondere auf die Philosophie von Mill, Sidgwick und James.

Bentham formuliert das Nutzenprinzip so: Jene Handlung muss als ethisch wertvollste beurteilt werden, die das größtmögliche Glück für die größtmögliche Anzahl Menschen erzielt.

Der individuelle Gratifikationswert einer Handlungsfolge bemisst sich nach Bentham:

1. an der Intensität des aus der Handlungsfolge zu erwartenden Lustgewinnes,

2. an der Dauer und dem Grad der Wahrscheinlichkeit, mit der der Lustgewinn zu erwarten
    ist

3. an der zeitlichen und räumlichen Nähe des Eintreffens der Folgen,

4. an der Frage, ob mit diesen Handlungsfolgen weitere (sekundäre) positive oder negative
   Folgen verbunden sind.

Bentham war der Ansicht, dass man für jeden einzelnen den individuellen Lustgewinn errechnen und von dem individuellen Gratifikationswert auf den kollektiven Gratifikationswert schließen könne.

Als rational im Sinne des utilitaristischen Prinzips ist die Wahl jener Handlung zu werten, deren kollektiver Gratifikationswert größer ist als der jeder anderen Handlungsalternative.

Durch die Verknüpfung von hedonistischem Prinzip und Universalisierung unterstellt Bentham ein Subjekt, das aus aufgeklärtem Eigeninteresse heraus urteilt und handelt und nicht nur sein individuelles Glück erstrebt.

 

5. Wer war John Stuart Mill?

Mills Biographie ist besonders im ersten Abschnitt seines Lebens mit seiner intellektuellen Entwicklung verbunden. Diese lässt sich daher in zwei Hälften unterteilen:

1. seine Jugend bis zum Alter von 23 Jahren, in der er unter Einfluss seines Vaters, zu einem der führenden Utilitaristen seiner Zeit aufstieg und

2. seine restlichen 45 Lebensjahre, in denen er diese Gedanken kritisch betrachtete und sie den politischen und sozialen Entwicklung des viktorianischen Zeitalters anzupassen versuchte.

John Stuart Mill wurde am 20. Mai 1806 in London geboren. Er war der erste Sohn eines ehrgeizigen schottischen Einwanderers aus der unteren Mittelschicht, James Mill, der gerade dabei war, sich als Journalist und Historiker einen Namen zu machen. Dieser widmete sich intensiv der Erziehung seines Sohnes - so lernte Mill schon mit drei Jahren griechisch, mit 12 setzte er sich mit Platon, Aristoteles und Hobbes auseinander und im Alter von 13 Jahren erhielt er eine Unterweisung in politischer Ökonomie. Unter dem Fernhalten fremder Einflüsse wurde Mill, so nach eigenen Aussagen, zu einer "Benthamschen Denkmaschine" erzogen, denn sein Vater war ein Verehrer und Freund des Begründers des englischen Utilitarismus, Jeremy Bentham. Er vermittelte seinem Sohn eine Beurteilung von Dingen nach ihrer Nützlichkeit und war nicht imstande, seinen Kindern persönliche Gefühle zu zeigen. Sein Vorsatz, seinen Sohn zu einem vollendeten Utilitaristen zu machen, schien geglückt, als dieser schon mit 17 Jahren die "Utilitarian Society" gründete.

John Stuart Mill unterstützte die Arbeit seines Vaters, trug dazu bei, den "Morning Chronicle" zu einem der wichtigsten Organe der utilitaristischen Radikalen zu machen und schrieb Briefe an liberale Zeitungen. Er schrieb Beiträge für die erst kurz zuvor von Bentham gegründete "Westminster Review", welche Benthams Utilitarismus propagierte.

Erste Anzeichen für eine veränderte Haltung Mills sind nach den Begegnungen mit den Coleridge - Anhängern F.D. Maurice und John Sterling, liberale Radikale, die sich gegen die Benthamschen Theorien wendeten, zu erkennen.

Mills entscheidende geistige Krise hatte jedoch schon 1826 begonnen, als ihm nichts mehr Freude zu machen schien. Er erkannte, dass er, wenn die von ihm und Bentham geforderten sozialen Reformen realisiert wären, immer noch nicht fähig wäre, Freude und Glück zu empfinden. Monatelang dauerte dieser Zustand an, er spürte, dass er nicht mehr Freude bei den dem Gemeinwohl nutzenden und Schmerz bei den dem Gemeinwohl schadenden Dingen zu empfinden vermochte - er realisierte, dass der von Bentham geforderte Prozeß der moralischen Aufrechnung die Tugenden, Wünsche und Freuden des einzelnen zerstöre. Ungefähr sechs Monate hielt dieser Zustand an, bis Mill eines Tages einen sentimentalen Abschnitt aus Marmontels "Memoires" las, der von dem Wunsch eines Jungen berichtete, seiner Familie nach dem Tod seines Vaters beizustehen. Er begann wieder "zu fühlen" und versuchte, die benthamsche Lehre kritisch zu betrachten.

Von nun an entfernte er sich aus dem Kreis der Bentham-Schüler. Nach Mills Ansicht sollte die Gesellschaft danach streben, dass jeder angemessen für seine Leistungen bezahlt und die Wirtschaft im Interesse der Allgemeinheit verwaltet wird, auch wenn er die Möglichkeit einer Realisierung kritisch betrachtete.

In der politischen Praxis blieb Mill ein Radikaler, der Ereignisse wie die französische Revolution 1830 mit Sympathie betrachtete.

Im Jahr 1830 begann die wichtigste Freundschaft in seinem Leben, als er Harriet Taylor, die Frau eines englischen Geschäftsmannes, die er nach dessen Tod heiraten sollte, kennenlernte. Sie hatte nicht nur großen Einfluss auf seine feministischen Ideen, es zeugen auch einige Kapitel der "Principles" und "On Liberty" von ihrem Einfluss.

In den 1830er Jahren begannen sich seine politischen Vorstellungen zu verändern. Er sprach sich für einen "qualified socialism" - einen Sozialismus mit Einschränkungen - aus. Er verwarf sein vorheriges Ideal der "reinen Demokratie", die das schlichte Mehrheitsprinzip favorisierte und ersetzte es durch einen Entwurf, der Pluralstimmrecht und eine Verstärkung des politischen Einflusses gebildeter Minderheiten vorsah. Er begann sich in der praktischen Politik zu engagieren, seine Veröffentlichungen standen häufig in krassem Gegensatz zu denen seines Vaters. Dieser starb 1836, und Mills Ansichten konnten sich erst von diesem Zeitpunkt an wesentlich freier entwickeln.

Den Höhepunkt seiner intellektuellen Reife erreichte er in den Jahren nach 1840, in diesen Jahren erschien "System of Logic"(1843), die "Principles of economy"(1848), "On Liberty"(1859) und "Utilitarianism"(1861). Als Vordenker gelten Toqueville, Pestalozzi, von Humboldt, Goethe und die englischen bzw. amerikanischen Individualisten Maccal und Warren. In seinen letzten Lebensjahren veröffentlichte Mill noch einige kleinere Aufsätze über Religion, Irland, Jamaika, Probleme der Parlamentsreform, eine Schrift gegen Sklaverei in Nordamerika und Untersuchungen über Comte und Hamilton.

Als die East India Company, in der Mill seit seinem 17 Lebensjahr tätig war, 1859 aufgelöst wurde, trat Mill in den Ruhestand. Von 1865 bis 1868 vertrat er den Wahlkreis Westminster im Parlament, wo er sich besonders für das Frauenwahlrecht und die Abschaffung der Todesstrafe, Forderungen, in denen er sich von den meisten Liberalen unterschied, einsetzte. Anders als die meisten seiner Zeitgenossen bekannte er sich zu dem Ideal eines stationären Wirtschaftszustandes, in dem das politische Ziel in der gerechten Verteilung des Vorhandenen bestünde.

Nach seiner Niederlage bei den Wahlen zu einem neu reformierten Parlament hielt Mill sich in Südfrankreich auf, wo er ein Haus in der Nähe des Grabes seiner Frau gekauft hatte, und starb dort 1873.

 

6. Die Lehre Mills

Bentham hatte mit seiner Idee, die Nützlichkeit einer Handlung zum ethischen Grundbegriff zu machen, das Fundament für den sogenannten Utilitarismus gelegt. Die ihm folgenden Philosophen versuchten Mängel und Schwierigkeiten des Bentham'schen Ansatzes zu beseitigen und den Utilitarismus gegen kritische Einwände zu verteidigen. Die erfolgreichste und wirksamste Arbeit war die Schrift von Mills ,,Utilitarianism". Sie gehörte zu den meistgelesen philosophischen Schriften des 19.Jahrhunderts.

Laut Mill liegt die menschliche Würde in der Betätigung geistiger Fähigkeiten und das müsse bei allen Nützlichkeitsserwägungen berücksichtigt werden. Wo jemand sein Leben als unbefriedigt ansehe, fehle es offenbar an geistiger Bildung.

,,Es ist besser ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedenes Schwein; besser ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedener Narr".

Mill glaubte an die grundsätzliche Verbesserung der Welt und damit an die Chance, das jeder ein glückliches Leben führen kann. Jedoch müsse dafür nicht der egoistische, sondern der allgemeine Weg angestrebt werden. Die Welt kann nur besser werden, wenn jeder neben seinem eigenen Wohl auch das der anderen anstrebe. Aber auch vor einer altruistischen Haltung, die alles persönliche Glück dem Heil der Mitmenschen opfert, hält er nichts. Es muss also ein Gleichgewicht entstehen zwischen dem eigenen Glück und dem Glück der Mitmenschen.

Da Mill die Lehre und die Philosophie Bethams teilweise zwar noch vertritt, es sich aber zur Aufgabe gemacht hatte einige Thesen zu verändern, galt er bei Zeitkrititkern als ,,inkonsequent" und ,,schwach".

 

7. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Lehren:

Nach seiner psychischen Krise und nach dem Tod seines Vaters beginnt Mill, sich mit Bentham kritisch auseinander zusetzen. Dennoch bleibt der Utilitarismus eines seiner Hauptanliegen.

Als Kriterium für den moralischen Wert von Handlungen stellte Bentham das "Nützlichkeitsprinzip" auf. Hiernach sollte der moralische Wert von Handlungen danach beurteilt werden, welchen Nutzen diese für das Glück aller Individuen besitzen. Nach diesem Prinzip sollen nur solche Handlungen als moralisch positiv beurteilt werden, die für das kollektive Glück nützlich sind.

Handlungen werden also nicht als solche, sondern hinsichtlich ihrer Folgen beurteilt. Wer handelt und dessen Motivation, die Grundlage für die Handlung, spielt keine Rolle.

Bentham hat eine hedonistische Position die besagt, dass der Begriff des Glückes durch den der Lust definiert werden muss. Für jeden einzelnen sei das eigene Glück, und für die Gesamtheit der Menschen das kollektive Glück, erstrebenswert.

In diesen Punkten stimmt Mill mit Bentham überein:

Mill kritisiert, dass bei Bentham nicht zwischen qualitativem und quantitativem Glück differenziert wird. Eine intellektuelle Tätigkeit hat demnach keinen höheren Stellenwert als eine mit sinnlicher Lust verbundene Tätigkeit.

Mill distanziert sich in diesem Punkt von der benthamschen Theorie und schreibt: ,,Es ist unbestreitbar, dass ein Wesen mit geringerer Fähigkeit zum Genuss die besten Aussichten hat, voll zufriedengestellt zu werden; während ein Wesen von höheren Fähigkeiten stets das Gefühl haben wird, dass alles Glück der Welt, so wie sie beschaffen ist, erwarten kann, unvollkommen ist. [...]"

Während Bentham die Existenz äußerer Sanktionen für utillitaristisch sinnvolles Handeln, wie die gesetzliche Bestrafung oder gesellschaftliche Ächtung, sicherstellen wollte, sieht Mill die Voraussetzung für richtiges Handeln auch in inneren Sanktionen, wie Gewissenhaftigkeit und Pflichtgefühl.

Die fundamentale Sanktion aller Sittlichkeit ist somit (abgesehen von den äußeren Motiven) ein subjektives inneres Gefühl.

Mill besitzt insofern eine teleologische Position, da er das größtmögliche Glück für die Gesamtheit als das Ziel der Menschheit deklariert, ebenso wie das eigene Glück für das Individuum wünschenswert ist.

Dafür, dass das allgemeine Glück wünschenswert ist, lässt sich kein anderer Grund angeben, als dass jeder sein eigenes Glück erstrebt, insoweit er es für erreichbar hält.

Psychologisch fundiert versucht er zu belegen, dass die menschliche Natur so beschaffen ist, dass sie nichts begehrt, was nicht entweder ein Teil des Glücks oder ein Mittel zum Glück ist.[...]

Er unterscheidet zwischen Handlungszielen, die zum Mittel zum Erlangen von Glück angestrebt werden (z.B.Geld) und denen, die Bestandteil des Glückes sind (z.B.) Tugend. Diese werden um ihrer selbst willen erstrebt, weil sie Lust hervorrufen und somit Glück bewirken.

Hieraus ergibt sich: dass in Wirklichkeit nichts anderes begehrt wird als Glück. Alles was nicht als Mittel zum Glück begehrt wird, ist selbst ein Teil des Glücks und wird erst dann um seiner selbst willen begehrt, wenn es dazu geworden ist.

Den Utilitaristen zufolge ist also in allen menschlichen Handlungen eine dem Glücksbegriff entweder zu- oder abträgliche Haltung vorhanden Mill und Bentham unterscheidet vor allem eine unterschiedliche Auffassung bezüglich des Individuums. Isiah Berlin schreibt hierzu: "For Bentham individualism is a psychological datum: for Mill it is an ideal."

In seiner Krise erkannte Mill, dass der Utilitarismus vom einzelnen fordert, von der eigenen Identität zu abstrahieren und seine Handlungen danach nach der Nützlichkeit für das kollektive Glück auszurichten. Der Mensch wird von seinen eigenen Handlungen entfremdet. Der Utilitarismus Benthams verlangt von jedem, gegebenenfalls seine eigenen Pläne und Handlungen, die aus seiner Einstellung herrühren, aufzugeben, um nach utilitaristischen Bestrebungen zu handeln. Die eigenen Bedürfnisse entsprechen jedoch nicht immer denen der Gesellschaft.

Die Verbindung von Individualität und kollektivem Glück ist eines Mills Hauptanliegen in "On Liberty"(vgl. III.1)

Der grundsätzliche Unterschied zwischen Bentham und Mill ist die verschiedene Auffassung von den Begriffen Lust und Glück.

Während für Bentham die größtmögliche Lust für die größtmögliche Anzahl von Menschen am wichtigsten ist, stellt sich Mill gegen die Aufgabe der individuellen Wünsche und Ziele.

Mill zählt nicht nur die Menge der Genüsse, die für Bentham das größtmögliche Glück symbolisieren, sondern auch deren Qualität.

 

8. Der Utilitarismus heute:

Auch heute noch ist der Utilitarismus eine wichtige Strömung im Bereich der praktischen Philosophie. Er spielt eine große Rolle, wo es um moralische Fragen wie nach dem Abtreibungsrecht, nach der Tötung auf Verlangen, nach dem Umgang mit Schwerstbehinderten, oder um politische Entscheidungen geht.

 

9. Schlussbemerkung:

Auch wenn der Utilitarismus ein wenig kompliziert auftritt, so enthält er doch wichtige, uns Menschen betreffende Grundideen. Bei jedem Gesetzesentwurf werden utilitaristische Gedanken mit einbezogen und verwertet.

Und das Leben nach dem Motto

,,Der wahre Egoist ist auch ein Altruist"

 

10. Benutzte Quellen und Literatur:

Lexikon der Ethik - C.H. Beck

Schülerduden

Geschichte der Philosophie - Christoph Helferlich

Ethikbuch 12/13

Lehrbuch der Philosophie Teil 1

Duden - Fremdwörterbuch

Standpunkte der Ethik, Oberstufe

Grundfragen philosophischer Ethik - Heller

Philosophenlexikon online

 

Der Utilitarismus(lat. utilitas,Nutzen, Vorteil)ist einenormativeForm derzweckorientierte (teleologische) undkonsequentialistischeEthik, die in verschiedenen Varianten auftritt.

Eine klassischeutilitaristische Grundformelbesagt, dass diejenigeHandlungbzw. Handlungsregel (Norm)moralischsittlich bzw. gut ist, die in Folge für alle Betroffenen die größtmögliche aggregierte Quantität oder Qualität eines jeweiligen summum bonums (Wohlergehen, Gesamtnutzen, Glückvermehrung, Leidvermeidung,Präferenzerfüllungusw.) stiftet.

Es existieren verschiedene Formen des Utilitarismus, die aus jeweils unterschiedlichenphilosophischenÜberzeugungen und Annahmen hervorgehen. DerhedonistischeUtilitarismusetwa setzt das menschliche Wohlergehen dem Empfinden von Lust, Glück oder Freude gleich, der negative Utilitarismus mit der Abwesenheit von Schmerz und Leid und der Präferenzutilitarismus bemisst Handlungen nach deren Erfüllung von individuellenPräferenzen. Der Handlungsutilitarismus beurteilt Handlungen einzeln nach ihrer Tendenz, gute Folgen zu bewirken, während der Regelutilitarismus das Befolgen allgemeiner Regeln in den Mittelpunkt stellt und deshalb sogar oft als deontologisch gedeutet wird.

Indes ist allen Formen des Utilitarismus gemein, dass sie Handlungen anhand ihrer möglichen oder realen Konsequenzen moralisch beurteilen, demnach ist der Utilitarismus einenormativeundkonsequentialistischeEthik. Ferner handelt es sich bei der utilitaristischen auch um einealtruistischeunduniversalistischeMoraltheorie, denn sie propagiert (im Gegensatz zumEgoismus, der auf eine Steigerung des individuellen Nutzens abzielt) eine Maximierung des Gesamtnutzens aller betroffenerMenschen- oder gar aller betroffenerempfindungsfähiger Lebewesen!

Philosophiehistorischwurde der utilitaristische Ansatz erstmals durch Jeremy Bentham(1748–1832) und John Stuart Mill(1806–1873) systematisch entwickelt und auf konkrete Fragen angewandt. Heute noch ist der Utilitarismus vor allem im englischsprachigen Raum beheimatet. Dabei sah Mill schon die Gefahr, dass der Ausdruck „Utilitarismus“ und seine ursprüngliche Ableitung von dem zentralen Begriff „utility“ leicht den Eindruck erwecken könnten, der Utilitarismus sei an sich kaltherzig und materialistisch. Um derartige Missverständnisse zu vermeiden, wird heute zumeist von „Glück“ oder „individuellem Wohl“ gesprochen. Bentham erläutert den Begriff desNutzensso:

„Mit dem Prinzip des Nutzens ist jenes Prinzip gemeint, das jede beliebige Handlung gutheißt oder missbilligt entsprechend ihrer Tendenz, das Glück derjenigen Gruppe zu vermehren oder zu vermindern, um deren Interessen es geht […] Mit ‚Nutzen‘ ist diejenige Eigenschaft an einem Objekt gemeint, wodurch es dazu neigt, Wohlergehen, Vorteil, Freude, Gutes oder Glück zu schaffen.“
- Jeremy Bentham,Introduction to the Principles of Morals and Legislation

„Nutzen“(benefit)ist also nicht mit „Nützlichkeit“(utility)gleichzusetzen. Moderne utilitaristische Theorien operieren deshalb auch oft nicht mehr mit dem Begriff des Nutzens, sondern mit dem weiteren Begriff des menschlichen Wohlergehens.

Der Utilitarismus ist eine bedeutende Strömung innerhalb derpraktischen Philosophie. UtilitaristischeArgumentewerden häufig angebracht, um Fragen derSozialphilosophieund insbesondere auch der Ethik nach Generationengerechtigkeit, Abtreibungsrecht und Sterbehilfe zu erörtern. Auch in Zweigen der Wirtschaftswissenschaften und in der sozialen Bewegung desEffektiven Altruismus wird sich auf den Utilitarismus berufen.

Eine erste Form des Utilitarismus findet sich bei dem chinesischen Philosophen Mozi (479–381 v. Chr.). Er begründete die Schule des Mohismus im alten China und vertrat eine utilitaristische Ethik, ungefähr 2200 Jahre bevor eine solche als begründbares Prinzip in Europa formuliert wurde. Auch der antike Hedonismus, der auf die von Aristippos von Kyrene begründete Philosophenschule der Kyrenaiker zurückgeht, kann im weitesten Sinne als Vorgänger des klassischen Utilitarismus gedeutet werden.

Die Anfänge utilitaristischen Denkens im neuzeitlichen Europa finden sich bei Thomas Hobbes (Leviathan), dessen grundlegende ethische Aussage darin besteht, dass „richtiges“ Verhalten dasjenige ist, das unser eigenes Wohlergehen fördert. Weiter: Die Berechtigung des gesellschaftlichen Moralkodex hängt davon ab, ob er das Wohlbefinden derjenigen begünstigt, die ihn befolgen. Bei Francis Hutcheson war das Kriterium für moralisch gutes Handeln, ob dadurch die Wohlfahrt der Menschheit gefördert wird. Dessen Nachfolger David Hume kam zu dem Schluss, dass Tugend und persönliches Verdienst in denjenigen unserer Eigenschaften ruhen, die für uns – und für andere – nützlich (useful) sind.

Jeremy Bentham vertrat als erster in Europa eine utilitaristische Ethik in Form eines ausgearbeiteten Systems. In seinem Werk An introduction to the Principles of Morals and Legislation brachte Bentham zum Ausdruck, dass es für ihn nur zwei anthropologische Grundkonstanten gebe: Das Streben nach Lust (pleasure
[1] und das Vermeiden von Schmerz (pain). Leid und Freude bestimmten, so Bentham, über die ethischen Handlungskriterien des Menschen und die Kausalität unseres Handelns. Es sei die Natur, die den Menschen in Leid und Freude den Weg weise. Bentham sah in Leid und Freude die entscheidenden Motive menschlichen Handelns, und vertrat damit einen psychologischen Hedonismus:

„Die Natur hat die Menschheit unter die Herrschaft zweier souveräner Gebieter – Leid und Freude – gestellt. Es ist an ihnen allein aufzuzeigen, was wir tun sollen, wie auch zu bestimmen, was wir tun werden. Sowohl der Maßstab für Richtig und Falsch als auch die Kette der Ursachen und Wirkungen sind an ihrem Thron festgemacht. Sie beherrschen uns in allem, was wir tun, was wir sagen, was wir denken.“[2]

Ein Mensch strebe, so Bentham, immer ein Objekt an, von dem er erwarte, dass es Freude bereite. Davon ausgehend formulierte Bentham das Prinzip des Nutzens, das besagt, dass all das gut ist, was „das größte Glück der größten Zahl“ hervorbringt. Bentham erkannte später, dass die gleichzeitige Maximierung zweier Größen keine eindeutige Lösung ermöglicht, weswegen er später nur noch vom „Prinzip des größten Glücks“ (Maximum-Happiness-Principle) sprach. Benthams Arbeiten konzentrierten sich auf die Anwendung dieses Prinzips auf die Gestaltung der sozialen Ordnung. In seinen Schriften entwickelt er weniger eine Individualethik als vielmehr eine rationale Gesetzgebungslehre. Für Bentham war die Quantität des Glücks allein entscheidend, was er durch die drastische Formulierung „Pushpin ist von gleichem Wert […] wie Dichtung“ („Prejudice apart, the game of push-pin is of equal value with the arts and sciences of music and poetry.“[3]) ausdrückte. Dagegen vertrat John Stuart Mill (1806–1873) in seinem Buch „Utilitarismus“ von 1863 die These, dass kulturelle, intellektuelle und spirituelle Befriedigung auch einen qualitativen Wert besitze, im Vergleich zu körperlicher Befriedigung. Ein Mensch, der beides erfahren habe, ziehe die geistige Befriedigung der körperlichen vor. Dies konstatiert Mill in seinem berühmten Ausspruch:

„Es ist besser, ein unzufriedener Mensch als ein zufriedengestelltes Schwein zu sein; besser ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedener Narr.“[4]

Die kalkülmäßige Abbildung qualitativ vorzuziehender Betätigungen bleibt allerdings unklar. Außerdem scheint Mills Unterscheidung eher konventionell zu sein, und auf einem bestimmten Begriff damaliger Hochkultur zu basieren.

Auch in der Schrift „Über die Freiheit“ setzte John Stuart Mill andere Akzente als der Freund und Lehrer seines Vaters Bentham. Während in einem reinen Nutzenkalkül Freiheit keinen Wert an sich darstellen kann, misst Mill hier Freiheit und insbesondere der Meinungsfreiheit einen grundlegenden Wert bei. Um die Wahrheit zu erkennen, müssen alle relevanten Argumente geprüft werden. Dies ist jedoch unmöglich, wenn Meinungen und Argumente politisch unterdrückt werden. Die richtige Bestimmung des größten Glücks setzt also die Freiheit der Meinungsäußerung (Pressefreiheit, Freiheit der Wissenschaft etc.) voraus.

Diese freiheitliche Version des Utilitarismus findet sich auch in der politischen PhilosophieBertrand Russells (1872–1970) wieder.


Jeremy Bentham (links) undJohn Stuart Mill (rechts)

Der klassische Utilitarismus von Bentham und Mill beeinflusste viele andere Philosophen und führte zur Entwicklung eines breiteren Konzepts des Konsequentialismus. Der hedonistische Utilitarismus von Bentham und Mill wird, obwohl am bekanntesten, heute nur noch von einer Minderheit vertreten. Weiterführende und gegenüber Kritik verbesserte Varianten des Utilitarismus wurden unter anderem entwickelt von William Godwin (1756–1836), einem Zeitgenossen Benthams mit anarchistischen Tendenzen, und Henry Sidgwick (1838–1900). In neuerer Zeit sind zu nennen vor allem Richard Mervyn Hare (1919–2002), Richard Brandt (1910–1997), der den Begriff „Regelutilitarismus“ prägte, John Jamieson Carswell Smart und Peter Singer, der als Vertreter des Präferenzutilitarismus gilt. Ludwig von Mises argumentierte mit utilitaristischen Argumenten für Liberalismus. Umgekehrt vertraten einige Philosophen auf utilitaristischer Basis einen ethischen Sozialismus.

Wie die Beispiele zeigen, ist der Utilitarismus hauptsächlich im englischsprachigen Raum verbreitet. Als einer der wenigen deutschen Vertreter ist der Düsseldorfer Philosoph Dieter Birnbacher zu nennen, der auch als Übersetzer John Stuart Mills hervorgetreten ist.

Der Utilitarismus beruht auf einigen Kernprinzipien, die ihn von anderen normativen Theorien absetzen. Sobald man von den Kernprinzipien absieht, findet sich eine Reihe von Annahmen, die von vielen, aber nicht allen Utilitaristen geteilt werden. Insbesondere im 20. Jahrhundert haben sich eine Reihe von Teilströmungen im Utilitarismus herausgebildet, die Annahmen des klassischen Utilitarismus zurückweisen. Deswegen bevorzugen viele moderne Philosophen den Sammelbegriff "Konsequentialismus" für ihre Auffassung.

Vier Grundprinzipien kennzeichnen den Utilitarismus:

1. Konsequentialismus: Im Utilitarismus als teleologische Ethik ergibt sich die Richtigkeit einer Handlung grundsätzlich nicht aus ihr selbst oder ihren Eigenschaften, sondern aus ihren Folgen. Um eine Handlung moralisch zu bewerten, muss man die Konsequenzen der Handlung ermitteln und bewerten. Die Richtigkeit einer Handlung ergibt sich dann aus dem Wert ihrer Folgen. Andere Fragen, etwa ob eine Handlung aus gutem Willen erfolgt oder nicht, sind hierbei von untergeordnetem oder gar keinem Interesse. Das Konsequenzprinzip impliziert gleichzeitig eine empiristische Vorgehensweise.

2Wertobjektivität und -neutralität: Maßstab zur Beurteilung der Folgen ist ihr objektiver Wert, im Utilitarismus insbesondere ihr Nutzen. Hierbei kommt es nicht auf den Nutzen für beliebige Ziele, Zwecke oder Werte an - der Utilitarismus ist nicht wertenihilistisch -, sondern vielmehr auf den Nutzen für das schlechthin Gute. Nahezu alle Utilitaristen nehmen zudem an, dass sich der Wert von Folgen unabhängig von Beobachtern und Agenten bewerten lässt: Sind verschiedene Agenten und Beobachter vollständig rational und moralisch aufgeklärt, sollten sie gleiche Folgen gleich behandeln.[5] Utilitaristen sind zudem Wertmonisten: sie glauben, dass sich alle moralisch interessanten Werte auf einen Wert, den Nutzen bzw. das Glück, reduzieren bzw. umrechnen lassen.[6]

3. Eudämonismus: Das einzige Gut des Utilitarismus ist Glück, oder allgemeiner gesprochen, menschliches Wohlergehen. Dabei bestehen unterschiedliche Meinungen darüber, was genau unter menschlichem Wohlergehen zu verstehen sei. Die klassischen Utilitaristen Jeremy Bentham und John Stuart Mill waren Hedonisten. Nach dem Hedonismus besteht menschliches Wohlergehen im Empfinden von Lust und Freude, und der Abwesenheit von Leid und Schmerz. Moderne Utilitaristen sind aber nicht zwangsmäßig Hedonisten, und eine weite Bandbreite an Auffassungen existiert. Der Präferenzutilitarismus orientiert sich an volkswirtschaftlichen Ideen zu Nutzen, nach denen menschliches Wohlergehen als die Erfüllung von Präferenzen verstanden wird. Beide Auffassungen haben gemein, dass sie ein subjektives Verständnis von Wohlergehen haben; tatsächlich ist Utilitarismus aber auch mit einem objektiven Begriff von Wohlergehen kompatibel, nach dem Wohlergehen das Erleben von objektiv wertvollen Erfahrungen darstellt.[7]

4. Universalismus: Utilitarismus ist universalistisch, da das Wohlergehen jedes Individuums in dessen Überlegungen das gleiche Gewicht besitzt. Es kommt nicht nur auf das Glück der handelnden Person allein an, auch nicht auf das Glück einer Gruppe, Gesellschaft oder Kultur, sondern auf das Glück aller von einer Handlung Betroffenen. Damit ist der Utilitarismus keine egoistische, sondern vielmehr eine altruistische Ethik: Das kollektive Wohl ist dem Individualwohl übergeordnet. Der Universalismus widerspricht intuitiven Urteilen, nach denen beispielsweise das Leben nahestehender Personen wichtiger als das Leben Fremder ist. Utilitarismus ist auch insofern universalistisch, als seine Ethik für alle Individuen gleichermaßen gilt. Hypothetisch, allerdings nicht unbedingt praktisch, gibt es hier keine Vorstellungen bestimmter Verantwortlichkeiten.

Werden diese vier Grundprinzipien zusammengenommen, ergibt sich die utilitaristische Grundformel: Eine Handlung ist moralisch richtig dann, und genau dann, wenn ihre Folgen für das Wohlergehen aller von der Handlung Betroffenen optimal sind.

Neben den genannten vier Grundprinzipien gibt es eine Reihe von Merkmalen, die nahezu alle Utilitaristen teilen, aber von einigen wenigen Utilitaristen abgelehnt werden. Diese Merkmale sind also nicht zwangsmäßige Eigenschaften einer utilitaristischen Ethik, auch wenn sie oft als solche dargestellt werden.

1. Maximierung. Alle klassischen Utilitaristen, und nahezu alle modernen Utilitaristen, nehmen an, dass eine Handlung richtig ist genau wenn sie das Wohlergehen maximiert. Diese Annahme führt aber zu einigen kontraintuitiven Ergebnissen. Viele alltägliche Handlungen - etwa das Kino zu besuchen - maximieren nicht das Wohlergehen anderer, und müssten also nach der utilitaristischen Grundformal als moralisch falsch beurteilt werden. Einige Utilitaristen haben deshalb die Position so modifiziert, dass eine Handlung richtig ist, wenn sie zu hinreichend guten, anstatt maximal guten, Ergebnissen führt.[8]

2. Aggregation. Eine andere Annahme, die von modernen Utilitaristen zunehmend zurückgewiesen wird, ist dass die Verteilung von Nutzen zwischen Individuen nicht zählt. Im klassischen Utilitarismus wird Nutzen schlicht aggregiert, sodass zwischen einer Verteilung in dem einem Individuum 100 Nutzen zukommen und 99 Individuen keiner, und einer Verteilung in der einhundert Individuen jeweils einen "Nutzenpunkt" wahrnehmen, nicht unterschieden wird. Einige Utilitaristen weisen diese Annahme zurück. Nach dem moralischen Prioritarismus hat der Grenznutzen der wohlsituierten Individuen zukommt einen geringeren moralischen Wert als der Grenznutzen schlechter situierter Individuen.[9] (Diese Position ist nicht mit der Annahme des abnehmenden Grenznutzens zu verwechseln.) Eine solche Position weist die Annahme schlichter Aggregation zurück.

3. Handlungsfokus. Die meisten utilitaristischen Ethiken fokussieren auf die Richtigkeit von individuellen Handlungen, aber andere Alternativen sind möglich. Die bekannteste Alternative, manchmal Mill zugeschrieben,[10] ist der sogenannte Regelutilitarismus, nachdem eine Handlung richtig ist wenn sie einer Regel entspricht deren allgemeine Befolgung den Nutzen maximiert.[11] In neuerer Forschung wird angezweifelt, ob Utilitaristen sich überhaupt für einen "fokalen Punkt" entscheiden sollten - Utilitaristen sollten die Handlungen, Regeln, Charakterformen (usw.) bevorzugen, die jeweils den Nutzen maximieren. Diese "fokuslose" Position wird meist als globaler Utilitarismus bezeichnet.[12]

4. Binäre Handlungsevaluation. Standardformen des Utilitarismus geben an, wann eine Handlung - oder Regel usw. - richtig ist. Diese Formen von Utilitarismus akzeptieren also das klassische Beurteilungssystem der normativen Ethik, nach der Handlungen in "richtig" und "falsch", bzw. "erlaubt" und "unerlaubt", eingeteilt werden. Sogenannter skalarer Utilitarismus weist diese Annahme hingegen zurück.[13]

Utilitaristische Theoretiker haben sich von den Entwürfen von Bentham und Mill entfernt, die heute als klassisch angesehen werden. Indem sie an den zahlreichen Grundannahmen des klassischen Utilitarismus Variationen vornahmen, sind zahlreiche verschiedene Richtungen entstanden. Um sich von den häufig kritisierten Grundformen zu distanzieren, bezeichnen sich einige heute als Konsequentialisten.

3.1.HandlungsutilitarismusundRegelutilitarismus

Eine verbreitete[14] Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen des Utilitarismus ist die zwischen Akt- oder Handlungsutilitarismus einerseits und Regelutilitarismus andererseits.

Beim Handlungsutilitarismus (englisch act-utilitarianism) wird das utilitaristische „Prinzip des größten Nutzens“ auf die einzelne Handlung bezogen. Dazu werden für die zur Auswahl stehenden Handlungsalternativen die jeweiligen Konsequenzen ermittelt und – unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit
ihres Eintretens – bewertet.

Im Unterschied dazu bezieht der Regelutilitarismus das utilitaristische Kriterium auf Handlungsregeln wie beispielsweise „Versprechen soll man halten“. Dazu wird ein zweistufiges Verfahren angestrengt. In einem ersten Schritt wird gefragt, welche Konsequenzen die Befolgung der zur Auswahl stehenden Handlungsregeln jeweils hätte und wie diese Konsequenzen zu bewerten sind. Zu wählen ist dann diejenige Regel, die den größten allgemeinen Nutzen mit sich bringt. In einem zweiten Schritt werden dann die einzelnen Handlungen aufgrund der beschlossenen Regeln bewertet; eine Anwendung des utilitaristischen Prinzips auf jede einzelne Handlung findet jedoch nicht statt.

3.2. Arten desNutzens

Man kann utilitaristische Richtungen danach differenzieren, welche Vorstellung von Nutzen und Glück ihnen zugrunde liegt. Der klassische Utilitarismus von Bentham und Mill wird als hedonistisch betrachtet, da hier das Gute als das von den Menschen angestrebte Glück definiert ist.

Im Unterschied dazu ist für den Präferenzutilitarismus das Gute die Erfüllung der Präferenzen von Personen. Dies sei zu maximieren. In dieser Hinsicht können die Konsequenzen auch andere Dinge als pure Lustbefriedigung, wie beispielsweise den Ruf oder Bildung, enthalten. Er wird heute vor allem von Peter Singer
bevorzugt, welcher von Richard Mervyn Hare beeinflusst wurde.

Inzwischen gibt es verschiedene Versuche, den Utilitarismus unabhängig von der These des psychologischen Hedonismus zu begründen. Ein Beispiel ist die Ethik von Richard Mervyn Hare, der einen Utilitarismus auf sprachanalytischer Grundlage entwirft. Das hedonistische Element lässt sich ohne größere Probleme aus dem Utilitarismus herauslösen und durch einen entscheidungstheoretischen Nutzenbegriff ersetzen. Bereits bei Bentham und Mill deutet sich eine breitere, nicht-hedonistische Interpretation des Nutzenbegriffs an, wenn statt der Begriffe „Glück“ (happiness) oder „Lust“ (pleasure) andere, nicht-hedonistische Begriffe Verwendung finden, wie „Vorteil“ (advantage), „Gewinn“ (benefit) oder „Gutes“ (good).

3.3.Negativer Utilitarismus

Die meisten Utilitaristen beschäftigen sich mit der Maximierung der Menge an Glück für die Individuen. Negativer Utilitarismus legt umgekehrt den Fokus darauf, das Leid der Individuen zu minimieren. Glück wird kein Wert beigemessen, oder es wird zumindest ein Vorrang der Leidensminimierung vor der Glücksmaximierung gesehen. In der praktischen Umsetzung dieser Idee kann man folgende Varianten unterscheiden:

1. Einige Philosophen argumentieren, dass das Ziel des negativen Utilitarismus die schnellste und schmerzloseste Auslöschung des gesamten empfindungsfähigen Seins wäre, da dies ultimativ das Leid minimieren würde.[15]

2. Der negative Präferenz-Utilitarismus vermeidet das Problem des Tötens aus moralischen Gründen, aber erfordert immer noch eine Rechtfertigung für die Schaffung neuen Lebens.[16]

3. Schließlich gibt es Theoretiker, welche den negativen Utilitarismus als eine Variante des klassischen Utilitarismus betrachten, welche der Vermeidung von Leiden mehr Gewicht einräumt als der Förderung von Glück.[17] Das moralische Gewicht der Leidensminderung kann erhöht werden durch eine entsprechende Metrik, so dass die gleiche Wirkung erzielt wird wie im Prioritarianismus.[18]

Optimistische und gewaltlose Anhänger des negativen Utilitarismus findet man im Umfeld des bioethischen Abolitionismus und des Paradise Engineerings[19].
Pessimistische Anhänger des negativen Utilitarismus gibt es im Umfeld des Buddhismus.[20]

3.4.Spezies(ismus)

Da die Grundlage des Utilitarismus letztlich die Empfindungsfähigkeit ist, haben schon von Anfang an viele Utilitaristen nichtmenschliche Lebewesen in die moralische Berücksichtigung mit eingeschlossen. Jeremy Bentham schrieb in The Principles of Morals and Legislation die folgenden in der Tierrechtsliteratur viel zitierten Worte:

„Der Tag mag kommen, an dem der Rest der belebten Schöpfung jene Rechte erwerben wird, die ihm nur von der Hand der Tyrannei vorenthalten werden konnten. Die Franzosen haben bereits entdeckt, dass die Schwärze der Haut kein Grund ist, ein menschliches Wesen hilflos der Laune eines Peinigers auszuliefern. Vielleicht wird eines Tages erkannt werden, dass die Anzahl der Beine, die Behaarung der Haut oder die Endung des Kreuzbeins ebenso wenig Gründe dafür sind, ein empfindendes Wesen diesem Schicksal zu überlassen. Was sonst sollte die unüberschreitbare Linie ausmachen? Ist es die Fähigkeit des Verstandes oder vielleicht die Fähigkeit der Rede? Ein voll ausgewachsenes Pferd aber oder ein Hund ist unvergleichlich verständiger und mitteilsamer als ein einen Tag oder eine Woche alter Säugling oder sogar als ein Säugling von einem Monat. Doch selbst wenn es anders wäre, was würde das ausmachen? Die Frage ist nicht: können sie verständig denken? oder: können sie sprechen? sondern: können sie leiden?“

Gegenwärtig beschäftigt sich der bekannte (Präferenz-)Utilitarist Peter Singer ausgiebig mit diesem Themengebiet. Er gilt auch als Vater der modernen Debatte über Tierrechte.[21]

Neben der Ablehnung einiger ethischer Systeme haben Utilitaristen auch versucht, ihre Ethik explizit mit anderen zu verbinden.

Um die aufgedeckten Mängel an beiden Systemen zu überwinden, wurde versucht, den Utilitarismus mit KantsKategorischem Imperativ zu verbinden. Beispielsweise stellt James Cornman die normative These auf, dass in jeder gegebenen Situation so wenige Individuen wie möglich als Mittel gebraucht und so viele Individuen wie möglich als Zweck behandelt werden sollten, die er als „utilitaristisches Kantsches Prinzip“ bezeichnet.

Andere Konsequentialisten betrachten Glück als ein wichtiges Gut, räumen aber auch anderen Gütern wie Gerechtigkeit oder Gleichheit einen gewissen Wert ein, was den Utilitarismus kompatibler mit allgemeinen Moralvorstellungen macht.

Die Ethik John Rawls unterscheidet sich bezüglich des Utilitarismus darin, dass in Rawls Ethik das Glück der unglücklichsten Person maximiert werden sollte, während im Utilitarismus das durchschnittliche Glück maximiert werden soll. Oder anders ausgedrückt: In Rawls Ethik wird das maximale Leid minimiert, während im Utilitarismus das durchschnittliche Leid minimiert wird.[22]

Ein Grundprinzip des Utilitarismus ist unter dem Namen Nutzenkalkül – bei Bentham auch als Hedonistischer Kalkulus – bekannt. Es ist sehr charakteristisch für utilitaristische Überlegungen und Werturteile und ist auch Hauptanstoßpunkt vieler Kritik und intuitiver Abneigung.

Wenn ein Individuum vor mehreren Handlungsalternativen stehe, so solle es gemäß dem Utilitarismus die Handlung wählen, welche in ihrer Konsequenz aller Wahrscheinlichkeit nach das größtmögliche Glück trägt. Dazu habe er alle Einzelkonsequenzen und ihre Auswirkungen auf das Glück und Leid der Einzelnen in Betracht zu ziehen. Letztlich müsse man alles durch das mögliche Praktizieren einer Handlungsalternative entstehende Glück und Leid bei den Einzelnen zu einer Gesamtsumme errechnen, wodurch man erkennen könne, inwiefern eine Handlung allgemein das Glück mehrt oder Leid erzeugt.

Als Kriterien bei der Kalkulation des Gesamtnutzens einer Handlung führt Bentham ursprünglich unter anderem die Dauer, Intensität und Wahrscheinlichkeit eines Glücks oder Leids auf.

Bentham umschrieb als erster solch ein Verfahren. Obgleich eine detailliertere und konkretere Ausarbeitung nicht existiert, wird das Nutzenkalkül als prinzipiell brauchbare Leitlinie von Utilitaristen anerkannt.

Man kann das utilitaristische Nutzenkalkül am besten verstehen, wenn man es mit dem KlugenEntscheidungsverhalten eines Einzelnen vergleicht.

Angenommen, ein Student steht vor der Entscheidung zwischen den Alternativen „Wie bisher weiter studieren“, „Das Studienfach wechseln“ und „Das Studium ganz aufgeben“. Wenn er die beste dieser drei Alternativen herausfinden will, dann überlegt er, welche Folgen mit den zur Wahl stehenden Handlungsalternativen jeweils verbunden sind und welche Vor- und Nachteile dies für ihn selbst mit sich bringt.

Die nötigen Überlegungen kann er dadurch übersichtlich gestalten, dass er die Konsequenzen unter bestimmten Gesichtspunkten zusammenfasst wie beispielsweise „finanzielle Auswirkungen“, „Auswirkungen auf die persönlichen Beziehungen“, „Auswirkungen auf die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Abschlussprüfung“ etc. Diese Gesichtspunkte kann er entsprechend ihrer unterschiedlichen Bedeutung für sich gewichten.

Dabei wird er klugerweise nicht nur berücksichtigen, ob eine Konsequenz für ihn eher vorteilhaft oder eher nachteilig ist, sondern er wird auch versuchen, die vergleichsweise Größe der Vor- und Nachteile abzuschätzen und in die Entscheidung einzubringen.

Zu einer Entscheidung gelangt er, indem er die Vor- und Nachteile, die mit den Alternativen verbunden sind, gegeneinander abwägt und zu einem einzigen Wert zusammenfasst. Dann wählt er diejenige Alternative, die für ihn den größten positiven Wert aufweist.

Das, was hier als „Vorteil“ oder „Nachteil“ bezeichnet wird, wird von Entscheidungstheoretikern als „Nutzen“ (englisch „utility“) bezeichnet. Dieser Begriff ist nicht gerade glücklich gewählt, eher wäre der Begriff „Wert“ hier angemessen. Aber der Begriff „Wert“ (englisch „value“) war in der ökonomischen Theorie bereits für die Bezeichnung des durchschnittlichen Preises eines Gutes vergeben.

„Nutzen“ in dem dargestellten Sinne ist nun kein psychologisches Objekt, das man empirisch messen könnte, wie die Utilitaristen des 18. und 19. Jahrhunderts noch meinten. Es handelt sich lediglich um eine Terminologie, mit der man –beispielsweise durch eine Nutzenfunktion – sehr differenziert und präzise beschreiben kann, was ein Subjekt will.

Der Unterschied zwischen der eben skizzierten rationalen (Nutzen maximierenden) Entscheidung eines einzelnen Subjekts und der utilitaristischen Kalkulation des größten Nutzens besteht allein darin, dass nicht nur die Vor- und Nachteile des einen Subjektes berücksichtigt werden müssen, sondern die Vor- und Nachteile aller Subjekte, die durch die Entscheidung betroffen werden. Das utilitaristische Nutzenkalkül ist also gewissermaßen die Bestimmung der für die Gesamtheit besten Alternative unter der Bedingung, dass den Wertungen aller Individuen gleiches Gewicht zukommt.

Zur Durchführung des utilitaristischen Nutzenkalküls ist es in den allermeisten Fällen erforderlich, das Glück bzw. den Vorteil der einen Person gegen das Leid bzw. den Nachteil einer anderen Person abzuwägen. Die Nutzengrößen der einzelnen Personen müssen dazu interpersonal vergleichbar gemessen oder zumindest geschätzt werden. Ob und wie dies möglich ist, bleibt umstritten.

Die frühen Utilitaristen waren der Ansicht, dass das Glück der Individuen eine psychische Größe sei, die man empirischmessen könne. Benthams Bemühungen gingen in Richtung einer derartigen „moral science“. Dieser Weg erwies sich aber empirisch nicht als gangbar, da kein „wissenschaftsförmiger“ Maßstab für den interpersonalen Glücksvergleich gefunden werden konnte. In den Wirtschaftswissenschaften wurde die Idee der interpersonalen Nutzenmessung in der Folge fallen gelassen. Die Wirtschaftstheorie kam auch mit rein subjektiven Präferenzordnungen aus, das heißt mit der Beobachtung von freiwilligen Tauschbeziehungen zwischen Güterbündeln. Übrig blieb die Wohlfahrtsökonomie (englisch welfare economics), die sich jedoch nicht an einem psychologisch verstandenen „Wohlfühlen“ orientiert, sondern an (Tausch-) Kriterien. Zentral ist hier die Pareto-Optimalität. Dieses Kriterium klammert intersubjektiveVergleiche von Vor- und Nachteilen aus.

Kritiker verweisen darauf, dass das Glück verschiedener Individuen inkommensurabel sei, und dass daher das Nutzenkalkül nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch unmöglich sei.

Dem wird entgegengehalten, dass im Alltag bei Entscheidungen ständig die Vor- und Nachteile für verschiedene Personen größenmäßig miteinander verglichen werden. Begriffe wie Rücksichtnahme, Opfer, Zumutbarkeit oder Benachteiligung erfordern den Bezug auf das vergleichbare Wohlergehen verschiedener Personen.

Triage scheint ein Beispiel für eine reale (Not-) Situation zu sein, wo der Utilitarismus konsequent angewendet wird.

Dem Argument, das Nutzenkalkül sei rein praktisch nicht durchführbar, wird entgegengehalten, dass man beispielsweise die vergleichbare Größe der Summe der Individualnutzen einer Theatervorstellung für verschiedene Personen abschätzen könne, indem man prüft, wie viel Zeit, Geld oder Arbeit der Einzelne für den Theaterbesuch zu opfern bereit ist. Damit können Aussagen über den Nutzen der Weiterentwicklung der Kultur durch diese Vorstellung, über Alternativkosten für entfallene Nutzen durch andere Aktivitäten der Besucher usw. gemacht werden.

Außerdem könne man fremdes Leid und fremdes Glück grundsätzlich dadurch ermessen, dass man sich gedanklich in die Lage des anderen Individuums hineinversetzt. Diesem Prozess werden freilich dadurch erhebliche Schranken auferlegt, dass niemand erahnen kann, welche kognitiven Prozesse das andere Individuum zur Verfügung hat und wie die Struktur und mittelfristige zeitliche Entwicklung seiner Leidens- und Glücksstruktur verläuft. Jede Exploration bedeute ja bereits Beeinflussung.

5.Kritik am Utilitarismus

Seit seiner Formulierung durch Bentham und Mill war der Utilitarismus zahlreichen Kritikpunkten ausgesetzt. So wehrte Mill sich schon in „Utilitarianism“ gegen den Vorwurf, der Utilitarismus sei eine Doktrin „only worthy of a swine“ („nur eines Schweines würdig“), da sie auf einem Lustbegriff basiere.

Vom Standpunkt des Utilitarismus ist Glück das höchste und alleinige Gut. Andere ethische Güter wie beispielsweise Gleichheit, Gerechtigkeit, Freiheit oder Tugend­haftigkeit und intuitive Moralvorstellungen haben aus utilitaristischer Sicht keinen Wert an sich. Dadurch kann es jedoch zu Situationen kommen, in welcher eine utilitaristische Ethik zu einer Handlung rät, welche andere Ethiken als absolut unmoralisch bewerten würden. Die meisten Zurückweisungen des Utilitarismus fußen auf diesem Konflikt. Beispielsweise könnte man für die Folterung oder Tötung eines Individuums argumentieren, wenn sich dadurch Leben retten ließen.

Utilitaristen reagieren unterschiedlich auf solche Vorwürfe. Einige vertreten, dass in solchen Situationen nur die Glücksmaximierung zähle, und andere moralische Urteile abzulehnen seien. Andere verweisen darauf, dass in einer gedachten Dilemmasituation der Utilitarismus nur oberflächlich zu einer falsch erscheinenden Entscheidung raten würde, während sich bei dem Bedenken aller direkten und indirekten Konsequenzen ein anderes Bild ergeben würde. So müsse man hierbei auch langfristige Konsequenzen, etwa der Verlust des Vertrauens in staatliche Grundrechte, bedenken. Utilitaristen wie Smart betonen hierbei, dass viele intuitive oder tradierte Moralvorstellungen in der Tat utilitaristisch brauchbar seien, da ihre Befolgung im Allgemeinen und auf lange Sicht zu einer Nutzenmaximierung führt. Smart verwendete dabei den Begriff „Faustregel“.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Utilitarismus die Würde des Menschen zwar anerkennt, seine Grundsätze jedoch in der Praxis der Menschenwürde widersprechen können. Anhand eines Beispiels lässt sich dies erklären: Angenommen, eine Verkäuferin lässt eine alte, sehbehinderte Frau sehr lange nach Kleingeld suchen, während sich hinter ihr eine lange Schlange bildet. Nach dem Utilitarismus, der ja das Allgemeinwohl als höchstes Ziel vorsieht, sollte die Verkäuferin der alten Frau einen Rabatt in Höhe der schwer zu findenden Münzen gewähren, denn dann könnte sie die anderen Kunden schneller bedienen. Dann könnte aber jeder das Verhalten der alten Frau nachahmen und sich so einen ungerechtfertigten Vorteil verschaffen. Die Schlussfolgerung, dass die Kassiererin die alte Frau ans Ende der Schlange verweisen sollte, verdeutlicht, dass die Grundsätze des Utilitarismus leicht Kritik hervorrufen können.[23]

Allerdings kann man bei einer utilitaristischen Betrachtung des obigen Beispiels auch zu einem anderen Ergebnis kommen. Das Allgemeinwohl setzt sich aus dem Wohl aller Einzelnen zusammen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Interesse einer einzelnen Person in bestimmten Fällen nicht schwerer wiegen kann als die entgegenstehenden Interessen mehrerer anderer Personen.

So wird – ganz im Einklang mit utilitaristischen Argumenten – dem Notarztwagen im Interesse einer einzigen lebensgefährlich verletzten Person ein Vorrecht eingeräumt, obwohl Hunderte von Autofahrern deshalb anhalten müssen und Zeit verlieren.

Dies gilt auch für das Beispiel mit der sehbehinderten Frau: Das Interesse einer Behinderten an einer selbstständigen Lebensführung kann vergleichsweise schwerer wiegen als das Interesse mehrerer Supermarktkunden an einer zügigen Abfertigung.

Ein im Zusammenhang mit Utilitarismus ebenfalls häufig diskutiertes Gedankenexperiment handelt von einem voll besetzen Passagierflugzeug, welches entführt wurde und als Waffe gegen ein Ziel gesteuert werden soll, dessen Zerstörung, zusätzlich zu den toten und verletzten Passagieren, zahlreiche weitere Menschenleben gefährden würde, beispielsweise ein volles Hochhaus oder Atomkraftwerk. Streng utilitaristisch argumentiert wäre ein größerer Gesamtnutzen durch einen zuvorkommenden Abschuss des Flugzeuges erreicht. [24]

Diese Handlungsmaxime ging in Deutschland ursprünglich auch in das Luftsicherheitsgesetz von 2005 ein.

Mit dem Argument der Menschenwürde erklärte dagegen das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil von 2006  § 14 Abs. 3 des Luftsicherheitsgesetzes mit folgender Begründung für verfassungswidrig und nichtig:

Die Ermächtigung der Streitkräfte, gemäß § 14 Abs. 3 des Luftsicherheitsgesetzes durch unmittelbare Einwirkung mit Waffengewalt ein Luftfahrzeug abzuschießen, das gegen das Leben von Menschen eingesetzt werden soll, ist mit dem Recht auf Leben nach Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG in Verbindung mit der Menschenwürdegarantie des Art. 1 Abs. 1 GG nicht vereinbar, soweit davon tatunbeteiligte Menschen an Bord des Luftfahrzeugs betroffen werden.

in der Urteilsbegründung hieß es mit Bezugnahme auf die Beschwerdeführer auch:

Der Staat dürfe eine Mehrheit seiner Bürger nicht dadurch schützen, dass er eine Minderheit - hier die Besatzung und die Passagiere eines Flugzeugs - vorsätzlich töte. Eine Abwägung Leben gegen Leben nach dem Maßstab, wie viele Menschen möglicherweise auf der einen und wie viele auf der anderen Seite betroffen seien, sei unzulässig. Der Staat dürfe Menschen nicht deswegen töten, weil es weniger seien, als er durch ihre Tötung zu retten hoffe.[25]

Am Utilitarismus wird kritisiert, dass er durch seine Logik und Wissenschaft noch kein richtiges ethisches System beweist.

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